Einleitung

Es ist ein alter Aberglaube, anzunehmen, wo eine Frage sei, müsse es auch eine Antwort geben, und dieser Aberglaube veranlasst uns nicht selten zu antworten, bevor klar ist, wonach gefragt wurde. Auf die Frage, was Geographie sei, gibt es zahlreiche Antworten, ohne dass man allzu viel Aufmerksamkeit auf die Frage verschwendet hätte, die man beantworten wollte.

Die gestellte Frage geht meist von einer Übergeschichtlichkeit der Geographie aus, diese eine und wenigstens in ihrem Wesenskern „ewige Geographie“ sei durch ihren Gegenstand in der Struktur der Wirklichkeit selbst verankert. (vgl. G.Hard: Die Geographie. Eine wissenschaftstheoretische Einführung. Berlin 1973 S.9ff)

Ein kurzer Blick auf die Geschichte der Geographie zeigt, dass sich die Forschungsansätze entscheidend geändert haben:

In den Anfängen der wissenschaftlichen Geographie war deren Ziel im Wesentlichen die Erkundung bisher unbekannter Regionen der Erde, sie hatte sich also die Auffüllung der "weißen Flecke" auf der Landkarte zur Aufgabe gemacht. Deshalb muss man die Geographie bis in das 19. Jahrhundert hinein als eine Wissenschaft beschreiben, die Tatsachen sammelte und zum Beispiel in Form von Bildern, Karten und Berichten dokumentierte. Sie war also rein deskriptiv.

In der Schule fand sich dieser Ansatz noch lange Zeit in der Herangehensweise der Länderkunde wider:

Die Darbietung des Stoffes erfolgte in einer rein analytischen Betrachtung vermeintlich kausal aufeinander bezogener Inhalte, z.B. die Abfolge: Geologie - Morphologie - Klima - Hydrogeographie - Böden - Vegetation - Siedlung - Landnutzung - Verkehr - politische Gliederung. Nach dem länderkundlichen Schema werden die geographischen Erscheinungen einer Region systematisch abgehandelt, von physisch-geographischen zu anthropogeographischen Sachverhalten fortschreitend. (vgl. http://www.spektrum.de/lexikon/geographie/laenderkundliches-schema/4537)

Heute wird Geographie in fast allen Definitionen vor allem über ihre Zielsetzungen definiert und in letzter Konsequenz wird sie dann als Wissenschaft bezeichnet, deren Aufgabe darin besteht, Konzepte zu entwickeln um zur Lösung von Problemen zwischen dem Menschen und seiner Umwelt beitragen zu können.

Hieraus wird bereits ersichtlich, dass sich das Aufgabengebiet der Geographie sowohl in den naturwissenschaftlichen Bereich (Umwelt), als auch in den gesellschaftswissenschaftlichen Bereich (Mensch) erstreckt. Diese beiden Bereiche bilden folglich zwei "Säulen", welche die Wissenschaft der Geographie tragen. (vgl. www.sjg-biesdorf.de/faecherportal/geographie-definition.pdf)