Was ist Inklusion?

Der Begriff „Inklusion“ bedeutet, die Gesellschaft von Anfang an so zu gestalten, dass jeder Mensch gleichberechtigt an allen Prozessen teilhaben und sie mitgestalten kann – unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter.

Inklusive pädagogische Ansätze betonen Vielfalt in Bildung und Erziehung als Bereicherung für alle, da soziale Kompetenzen und gegen-seitiger Respekt gefördert werden und niemand mehr vom gemeinsamen Lernen und Leben in der Schule ausgeschlossen wird.

Inklusion am Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching

a) Das Christoph-Probst-Gymnasium auf dem Weg zu einer inklusiven Schule

Basierend auf den oben beschriebenen Erfahrungen und der Überzeugung, sich mit pädagogischer Verantwortung den Verpflichtungen zu stellen, die sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergeben, hat sich das Christoph-Probst-Gymnasium zu einer Aufgabe gemacht, die verschiedenen Möglichkeiten und Dimensionen einer Schule mit dem Profil „Integration“ in den Fokus zu stellen.

Das Beratungsangebot des Christoph-Probst-Gymnasiums umfasst verschiedene Möglichkeiten der internen und externen professionellen Beratung und Begleitung bei Konflikten, Lernschwierigkeiten, psycho-sozialen Problemen oder in krisenhaften Situationen.

Ein wichtiger Schritt zur Förderung von Kindern und Jugendlichen in besonderen Situationen bzw. mit spezifischem Förderbedarf ist dabei die Kooperation mit dem mobilen sonderpädagogischen Dienst (MSD) des Landkreises Starnberg.

Im Rahmen dieser Kooperation werden Lehrkräfte, Beratungsteam, Schulleitung und Eltern durch eine sonderpädagogische Fachkraft beraten und unterstützt, wenn es um die Begleitung einzelner Schülerinnen und Schüler geht. Diese Unterstützung erstreckt sich von einer gezielten Diagnose über Gespräche mit Eltern und Lehrkräften bis hin zu Erstellung individueller Förderpläne.

Ebenso besteht eine enge Zusammenarbeit mit Kliniken (u.a. Heckscher Klinikum München, Dr. v. Haunersche Kinderklinik, Kinderklinik München Schwabing), niedergelassenen Psychologen, Kinder- und Jugendpsychiatern, der Kinder-, Jugend- und Familienberatungsstelle und dem Jugendamt des Landkreises Starnberg.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Berücksichtigung bei Leistungserhebungen. Im Fachunterricht werden, z.B. bei Lese-Rechtschreibschwäche, Legasthenie oder bei längerfristigen Erkrankungen, verschiedenste Formen von Nachteilsausgleich (Zeitzuschlag, 1:1-Wertung usw.) bei Leistungsbewertungen gewährt.

Intensivierungsstunden, in denen intensiv und fachspezifisch mit nur einem Teil der Klasse gearbeitet wird, stellen eine wichtige Form der schulischen Förderung dar.

Für besonders begabte bzw. leistungsfähige Schülerinnen und Schülern besteht am Christoph-Probst-Gymnasium eine Reihe weiterer spezieller Fördermöglichkeiten.

b) Barrierefreie Einrichtungen im Christoph-Probst-Gymnasium

Toiletten

  • C-Trakt: EG, Raum C002
  • F-Trakt: EG, 1. OG, 2.OG

Aufzüge und Hebebühnen

  • F-Trakt: Aufzug (UG/EG/1. OG/2. OG)
  • C-Trakt: Aufzug (EG/1. OG/2. OG, jeweils ein halbes Stockwerk tiefer als die im F-Trakt, Split-Level-Bauweise)
  • Aula: Hebebühne von der Unteren Schulstraße zur unteren Aula-Ebene und damit auch zum EG des C-Trakts, wo sich die Physik- und Chemie-Räume befinden.
  • E-Trakt: Hebebühne von der Unteren Schulstraße zum EG des E-Trakts zur Erschließung von Biologie- und Kunsträumen
  • Verwaltungstrakt: Hebebühne von der Oberen Schulstraße zum Niveau des Sekretariats, befindet sich im Kopierraum (V 139)

Somit sind sämtliche Räume (mit Ausnahme der Ganztagsbetreuung) barrierefrei zugänglich. Bezüglich der Ganztagsbetreuung steht aber bereits eine Lösung in Aussicht.

Einrichtungen für Schwerhörige

  • Aula: Induktionsschleife, gekoppelt an Veranstaltungstechnik
  • Fachräume und Klassenzimmer:

E010, E038, D027, C012, C018; E113, D108, C104; E210, D209, C205;

Diese Räume sind alle mit einer Induktionsschleife ausgestattet; ergänzend dazu wird später die erforderliche mobile Anlage angeschafft.

Grundlage: Die UN-Behindertenrechtskonvention

Am 13. Dezember 2006 verabschiedete die UN-Generalversammlung das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Seit dem 26. März 2009 gilt die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland. Bis auf wenige Ausnahmen wurde sie von allen europäischen Ländern unterzeichnet.

Die Konvention verpflichtet die Vertragsstaaten, Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen des täglichen Lebens eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen: Hierzu zählen unabhängige Lebensführung, Arbeit, Gesundheit und Mobilität sowie Zugang zu Information und Kommunikation, Justiz und Bildung.

Inklusion und Bildung – Begriffsklärungen

Die drei Darstellungen veranschaulichen die unterschiedlichen Formen des Umgangs mit verschiedenen Lerngruppen.

  • Im deutschen Schulsystem wurden Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf oft exkludiert, da Fördermaßnahmen nur in speziellen Schulen angeboten wurden.
  • Immer mehr Schulformen praktizieren Modelle der Integration, bei denen eine kleine Gruppe von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit einer „normalen“ Lerngruppe unterrichtet wird, wobei, zumindest phasenweise, die Gruppen voneinander getrennt betreut werden.
  • In der inklusiven Schule ist diese Trennung aufgehoben. Hier werden alle Kinder und Jugendliche, je nach ihren individuellen Möglichkeiten und Grenzen, gefördert und betreut. Inklusion bedeutet dabei nicht nur das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen, sondern schließt vielmehr alle möglichen Ausprägungen von Verschiedenartigkeit mit ein, z.B. ethnische Herkunft, Geschlecht, soziales Milieu, Leistungsfähigkeit, Sprache usw..

Leben und Lernen in einer inklusiven Schule bedeutet, die Verschiedenartigkeit der Menschen nicht als Hindernis, sondern als Chance für die jeweils optimale Ausprägung der individuellen Kompetenzen zu begreifen.

Inklusion am Gymnasium – ein Widerspruch?

Mit der Einführung des Rechtsanspruchs zum Besuch einer Regelschule auch für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen bzw. Beeinträchtigungen geraten nun alle Schulformen ins Blickfeld und haben die Aufgabe, sich den Anforderungen einer inklusiven Pädagogik zu stellen.

Die Annahme unseres Schulsystems besteht darin, dass man Schüler und Schülerinnen am Ende des 4. Schuljahres nach ihren kognitiven Fähigkeiten bestimmten Schulformen zuordnen und auf diesem Weg homogene Lerngruppen bilden kann. Wie wird es aber möglich sein, Jugendliche mit besonderem Förderbedarf in einer Schulform zu fördern, in der für die Schülerinnen und Schüler ohne besonderen Förderbedarf die erfolgreiche Bildungskarriere vom Erbringen entsprechender Leistungen abhängt? Bei Nichterbringen dieser Leistungen droht unweigerlich der Wechsel zu einer anderen Schulform.

Zahlreiche nationale und internationale Studien belegen, dass Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen auch an Regelschulen gefördert werden können. Klaus Klemm kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf an Gymnasien gut gefördert werden können und im gemeinsamen Unterricht mit Kindern ohne Förderbedarf deutlich bessere Lern- und Entwicklungsfortschritte machen (Klemm, Klaus: Sonderweg Förderschulen. Hoher Einsatz, wenig Perspektiven. Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zu Ausgaben und Wirksamkeit von Förderschulen in Deutschland. Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, 2009, S. 4).

Ein Grund hierfür mag unter anderem auch die Tatsache sein, dass Schülerinnen und Schüler an Gymnasien häufig über gut ausgeprägte Sozialkompetenzen verfügen, die eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Inklusion von heterogenen Lerngruppen darstellen.

Insbesondere die Kinder und Jugendlichen, die vom so genannten „drop out“ (d.h. dem Abbrechen der gymnasialen Laufbahn) bedroht sind, können in einer Schule mit dem Profil „Inklusion“ besser aufgefangen und früher gefördert werden. Gerade in den kritischen Jahrgangsstufen 7 bis 9 wird schulisches Versagen häufig nicht durch unzureichende kognitive Fähigkeiten, sondern durch fehlende Motivation, fehlende Lern- und Arbeitsstrategien, Konflikte und durch individuelle Krisen während der Pubertät verursacht.

Ausblick

Die Entwicklung des Profils der inklusiven Schule wird vor dem Hintergrund der UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung zur Aufgabe aller Schulen in Deutschland. Eine Reihe von Schulen können seit den 1970er Jahren unmittelbare Erfahrungen mit der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung nachweisen (z.B. Dante-Gymnasium München). Viele Einrichtungen haben bereits gute Voraussetzungen und Erfahrungen für diesen Prozess der inklusiven Schulentwicklung, da sie sich seit vielen Jahren mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund oder mit sozial benachteiligten Kindern beschäftigen. Die meisten Schulen stehen jedoch mit dem Thema „Inklusion“ vor einer völlig neuen Aufgabe.

Nimmt man den Begriff der Inklusion in seiner umfassenden Bedeutung ernst, dann wird der Weg hin zu einem inklusiven Bildungssystem mittelfristig tief greifende Veränderungen unausweichlich machen. Dabei steht besonders die zunehmende Heterogenität der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund.

Ein Lehren und Lernen im Gleichschritt entspricht diesen heterogener werdenden Lernausgangslagen immer weniger. Neue Lernformen, die die Schülerinnen und Schüler aktivieren, ihre selbsttätigen Lernprozesse in den Mittelpunkt stellen und die Kooperation der Kinder und Jugendlichen miteinander gezielt fördern, führen zu einer veränderten Rolle für die Lehrkräfte.

Letztlich zielt inklusive Schulentwicklung auf eine Veränderung des Schulkonzepts, an dem alle unmittelbar Beteiligten mitwirken.

Im Vordergrund steht dabei die bestmögliche Förderung der Begabungen und Kompetenzen eines jeden Kindes bzw. eines jeden Jugendlichen, um für alle eine möglichst umfassende Teilhabe an der Gesellschaft und an der Lebens- und Arbeitswelt zu gewährleisten.

Über die Förderung und den Unterricht hinaus ist allerdings auch dafür Sorge zu tragen, dass Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden, die für alle Schülerinnen und Schüler zugänglich sind.

Barrierefreiheit in der räumlichen Ausstattung ist dabei ein ebenso wichtiges Aufgabenfeld wie die Schaffung von Barrierefreiheit „in den Köpfen“, um niemanden im Bereich des Schullebens auszugrenzen.

„Als Pädagogen haben wir anzuerkennen, dass es normal ist, verschieden zu sein.“ (Kanter)

Claudia Wiethe

Staatl. Schulpsychologin

Christoph-Probst-Gymnasium Gilching

 

 

Literatur

Aktion Mensch: Themenheft „Inklusion: Schule für alle gestalten“, Bonn, 2012.

Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus: Profilbildung inklusive Schule – ein Leitfaden für die Praxis, München/Würzburg, 2012.

Klemm, Klaus: Sonderweg Förderschulen. Hoher Einsatz, wenig Perspektiven. Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zu Ausgaben und Wirksamkeit von Förderschulen in Deutschland. Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, 2009, S. 4.