Christoph Probst - Eine Kurzbiografie

Christoph Probst gehörte der Studentengruppe an, die im Sommer 1942 unter dem Namen "Weiße Rose" Flugblätter gegen Hitler und das nationalsozialistische Regime verbreitete. Den Kern dieser Widerstandsgruppe bildeten neben Christoph Probst Sophie Scholl, Willi Graf und Professor Kurt Huber.

Ch. Probst als Abiturient

Christoph Probst wurde am 6.11.1919 in Murnau (in der Nähe von Weilheim) geboren. Er hatte eine ältere Schwester, Angelika, und einen jüngeren Halbbruder, Dieter. Zu seinen Hobbys gehörten Astronomie, die Natur, Skifahren und das Bergsteigen. Seine Eltern, Katharina und Hermann Probst, trennten sich, als Christoph noch klein war. Christoph verstand sich trotzdem mit beiden Elternteilen sehr gut. Von seinem Vater lernte er sein kritisches und eigenständiges Denken.

Er lebte abwechselnd bei seiner Mutter und seinem Vater. Wegen der vielen Umzüge musste Christoph auch oft die Schule wechseln. Nach der Volksschule besuchte er das Neue Gymnasium in Nürnberg. Als sich die Mutter von ihrem zweiten Mann, Dr. Eugen Sasse, trennte, zog die Familie in den Chiemgau, und Christoph ging im Landerziehungsheim Marquartstein auf die Schule. 1935 wechselte er auf das neue Realgymnasium in München. Nach nur einem Schuljahr ging er in das Internat Schondorf am Ammersee. Christoph beteiligte sich aktiv am Schulleben. Er kümmerte sich um die Unterstufenschüler und trat dem Ruder-, Hockey- und Tennisclub bei. Ein Jahr bevor er sein Abitur bestand, nahm sich sein Vater, der sein großes Vorbild gewesen war, das Leben.

Christoph, Sohn Michael und Herta

1937 machte er sein Abitur, nachdem er eine Klasse übersprungen hatte. Nach zwei Jahren Arbeits- und Wehrdienst begann er in München Medizin zu studieren. Am 9. 08.1941 heiratete er Herta Dohrn. Mit ihr hatte er drei Kinder: Michael, Vincent und die wenige Wochen vor seinem Tod geborene Katharina.

Durch seinen besten Freund, Alexander Schmorell, den er auf dem Neuen Realgymnasium in München kennengelernt hatte, kam Christoph Probst mit Hans Scholl und den übrigen Mitgliedern der Weißen Rose in Kontakt. Schnell entwickelte sich eine enge Freundschaft, da alle die gleichen Interessen hatten: Philosophie, Literatur und die Natur. Außerdem verband sie die Abneigung gegen das Hitlerregime und dessen Unmenschlichkeit.Die Gruppe entwarf und verteilte insgesamt sechs Flugblätter (Beginn im Sommer 1942). Im Atelier eines befreundeten Architekten, der oft auf Reisen war, hatten sie einen Vervielfältigungsapparat, mit dem sie die Flugblätter kopierten. Diese schickten sie entweder an willkürlich gewählte Personen aus dem Telefonbuch, verteilten sie in München oder brachten sie zu Freunden im übrigen Deutschland.

Christoph Probst und Alexander Schmorell

Nachts schrieben sie Parolen wie "Nieder mit Hitler" und "Freiheit" an die Häuser in München. Ihre Ziele waren, die Gesellschaft über das wahre Gesicht des Nationalsozialismus und das verbrecherische Regime Hitlers aufzuklären und sie zum passiven Widerstand aufzurufen. Unter passivem Widerstand verstanden die Mitglieder der Weißen Rose keinen gewaltsamen Widerstand gegen das Naziregime, sondern vielmehr Sabotage im Kleinen. Sie dachten an Sabotage in kriegswichtigen Fabriken ( z.B. durch falsches Zusammenschrauben von Gewehren) und an Störungen von Naziveranstaltungen. Sie wollten also alles tun, was das Regime schwächen und damit schneller zu einem Kriegsende führen würde.

Da er eine Familie hatte, versuchten die Freunde Christoph aus den gefährlichen Aktionen wie Flugblattvervielfältigung und -verteilung herauszuhalten. Er war trotzdem bei den Treffen der Freunde dabei und half ihnen, wo er konnte. Das wurde ihm zum Verhängnis: Als Hans und Sophie Scholl am 18.02.1943 in der Münchner Universität verhaftet wurden, hatte Hans den Entwurf des Flugblattes "Stalingrad!" von Christoph Probst in seiner Hosentasche. Hans Scholl versuchte zwar durch Hinunterschlucken das Flugblatt zu vernichten, aber die Gestapo verhinderte dies. Am 19. 02.1943 wurde Christoph Probst in Innsbruck verhaftet, als er seine kranke Frau besuchen wollte. Er wurde nach München ins Gefängnis gebracht, wo sein Flugblatt rekonstruiert wurde. Zusammen mit Hans und Sophie Scholl wurde er am 22. 02.1943 vom Volksgerichtshof in München zum Tode verurteilt. Christoph Probst ließ sich im Gefängnis noch katholisch taufen.

Kurz vor der Hinrichtung durften die Verurteilten noch Briefe an ihre Angehörigen schreiben und sich noch einmal sehen. Christoph Probst verabschiedete sich von seinen Freunden mit den Worten:

"In wenigen Minuten sehen wir uns in der Ewigkeit wieder."

Um 17 Uhr wurden die Verurteilten mit dem Fallbeil enthauptet.
Die Beerdigung der drei Widerstandskämpfer fand auf dem Perlacher Friedhof statt.

Die Kurzbiografie ist ein bearbeiteter Auszug aus der Broschüre "Christoph Probst", einer Einführung für Fünftklässler in ihre neue Schule, die Katharina Schulze als Facharbeit im Leistungskurs Geschichte anfertigte.