Ein Forschungs- und Tätigkeitsbericht von Robert Volkmann

Gedenktafel Landerziehungsheim Schondorf

Unsere Schule ist in den Jahren seit der Namensgebung auch ein klein wenig so etwas wie eine "Forschungsstätte" zur Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus geworden. Nach außen an erster Stelle stehend sind natürlich die beiden Bücher, die wir speziell zu Christoph Probst, allgemeiner zur Weißen Rose und generell zum Thema veröffentlicht haben. Vom ersten Buch, dessen Auflage von 1500 längst vergriffen ist, haben wir etwa 500 Stück bundesweit verkaufen können. Ein Exemplar hat es sogar in die Washington Library geschafft. Leider hat die quantitativ und qualitativ wirklich verbesserte Neuausgabe (noch?) nicht dieses Echo gefunden.

Umgekehrt haben wir für dieses Buch aber sehr viel Lob auch von Expertenseite erhalten - und die letzten wissenschaftlichen Arbeiten (D. Bald und S. Zankel z.B.) zitieren daraus sogar. Möglicherweise meinen viele Eltern auch, das kleine Heft zum Namensgeber, das unsere Fünftklässler zu Beginn ihres Schulzeit bei uns erhalten, genüge als Information.

Was den Namensgeber unserer Schule betrifft, sind wir hinsichtlich der Publizierung von entsprechenden Dokumenten, und im neuen Buch auch bezüglich der Zugänglichmachung und Bearbeitung seiner frühen Briefe durch Christiane Moll führend, das wurde uns bis hin zum Institut für Zeitgeschichte mehrfach bestätigt.

Die von der Schule dokumentierten Vorträge und insbesondere Zeitzeugengespräche erhalten durch den Fortgang der Zeit ihren besonderen Wert für die historische Forschung, sie lassen viele Personen aus dem Zusammenhang vor allem der Weißen Rose als echte Personen "überleben". Nicht zuletzt ist es uns auch gelungen, hin und wieder bisher unbekannte schriftliche und personale Quellen ( ehemalige Mitschüler von Christoph Probst etwa) aufzutun.

Im Sommer 2003 führten drei Geschichtslehrkräfte unseres Hauses vier amerikanische LehrerInnen auf den Spuren der Weißen Rose durch München. Selbstverständlich wird die Kollegin, die in den Staaten etwas zur Weißen Rose veröffentlichen wird, von uns unterstützt. Und selbstverständlich helfen wir auch SchülerInnen anderer Schulen, wenn sie sich mit dem Thema befassen. Wichtig in dem Zusammenhang: Aus Mitteln des Elternbeirates konnten wir drei Jahre einiges an einschlägigen Publikationen erwerben und eine Sammlung aufbauen, die so an anderen Schulen, die sich auch der Weißen Rose verpflichtet sehen, nicht vorhanden ist: Dissertationen zum Beispiel sind sehr teuer. Immer wieder gibt es so etwas wie Pressebetreuung : Die bislang einzige Rundfunksendung über Christoph Probst wurde von uns angeregt und wesentlich unterstützt (selbstverständlich haben wir eine Aufzeichnung) , die Initiative zu Artikeln in der Lokalpresse z.B. über überregional aber auch " nur" lokal bedeutsame Personen wie Josef Kern und das "Wildreserl" , aber auch eher bekannter und doch relativ vergessener wie Schwester Imma Mack (auch sie war zu Gast bei uns ) und Albrecht Haushofer ging von Geschichts- und Religionslehrern unserer Schule aus.

Wieder fallengelassen wurde die Idee, die Oper von Udo Zimmermann zur Weißen Rose in einer Gemeinschaftsproduktion mit anderen Namensschulen aufzuführen. Musikexperten, darunter der bei uns Musik unterrichtende Enkel Christoph Probsts ( mit gleichem Namen) hielten das Unterfangen wegen eines heute gänzlich anderen Musikgeschmacks und auch umstrittener musikalischer Qualität des Stückes für wenig erfolgversprechend. "Angedacht" ist auch eine Dokumentation von Widerstand im Landkreis Starnberg. Die Fachschaft Geschichte an unserer Schule unterstützte auch eine Initiative zur besseren didaktischen Gestaltung der "Denkstätte Weiße Rose" in der Universität München sowie zur Zusammenarbeit der Namensschulen. Eine Schülergruppe sichtete kürzlich an Ort und Stelle unterrichtsdidaktisches Material. Natürlich wurden einige Lehrer unserer Schule bei all diesen Aktivitäten en passant fast Spezialisten für diesen Themenbereich. Aus dem Bereich der neueren Forschung zum Widerstandskreis der "Weißen Rose" war Sönke Zankel 2005 zum Gespräch mit interessierten Geschichtskollegen bei uns im Hause. Zankels Buch "Die Weiße Rose war nur der Anfang" sorgte bekanntlich Ende letzten Jahres für Aufsehen und Unmut.

Im November 2003 kam Jürgen Wittenstein ( von ihm stammen die allgemein bekannten Fotos der Weißen Rose, er gehörte ja auch zu diesem Kreis und war, was alleinschon die Fotos zeigen, sehr nah dran) zu Vortrag und Gespräch zu uns. Dokumentiert wurde das von uns selbstverständlich auch.

Die Initiative, teilweise auch die Auswahl der Referenten sowie die wesentliche Organisation einer Lehrerfortbildungsveranstaltung für "Namensträgerschulen" in Bayern kam vom Christoph-Probst-Gymnasium. Im November 2004 fand ein einwöchiges Seminar in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing statt: "Widerstand und widerständisches Verhalten in der NS-Zeit". Die Schulleitung stellte immerhin vier Lehrkräfte des Hauses dafür frei. Die Veranstaltung bot inhaltlich Substantielles, leider aber hatte sie nicht zur Folge, dass es gelungen wäre die bayerischen "Widerstandsgedächnisschulen" zu einer institutionalisierten Form der Zusammenarbeit zu bringen. Hier sollte man vielleicht doch noch einmal einen Anlauf unternehmen.

So nebenbei stellte übrigens Frau Egle fest, dass in der vor Ort gezeigten offiziellen Plakat-Ausstellung der "Gedenkstätte Deutscher Widerstand" auf dem berühmtem Wittensteinschen Foto neben den Scholls als Dritter Hubert Furtwängler genannt wird. Darauf angesprochen wollten die Zuständigen von der Berliner Stelle das gar nicht gerne einsehen, mussten dies aber als Fehler einräumen. Diese Plakate waren inzwischen in einer Auflage von mehreren Tausend an deutsche Schulen verschickt worden.

Dass wir dies als - natürlich ungewollte - Herabsetzung von Christoph Prost betrachten, kann man sicher nachvollziehen. Und dass uns deshalb die Darstellung unseres Namensgebers im Marc Rothemunds Film "Sophie Scholl. Die letzten Tage" besonders "berührt" hat, dürfte klar sein. Mit der Vorführung des Films für die gesamte K12, der Diskussion mit dem Regisseur und Dr. Michael Probst und anderen sowie Umfrage und Diskussion in der Schülerschaft und der lokalen Öffentlichkeit hat unsere hausinterne "Forschung" etwas nach außen geöffnet.

Und immerhin wurde die von uns so deutlich monierte fast an Rufmord heranreichende Verfälschung der Geschichte bei der Zuordnung der Zitate im Film Rothemunds sogar im "Filmgespräch der Weiße-Rose-Stiftung" im Münchner "Literaturhaus" thematisiert. Den einschlägigen Geschichtskreisen ist die Sachelage nun bekannt. Und bei der Weiße-Rose-Stiftung ist jetzt in Verbindung mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit auch eine kleine Ausstellung zu Christoph Probst erarbeitet worden. Sie ist zur Zeit in der Denkstätte in der Universität in München zu sehen. Unsere Schule hat sich um die Ausstellungsplakate bemüht - und sie als Duplikate auch erhalten. Sie haben zwischen den Elternsprechzimmern im Verbindungsgang zwischen Altbau und neuen Schulgebäude einen dauerhaften Platz gefunden. Eine überzeugende Arbeit hat Barbara Ellermeier aus Weimar 2008 in der Reihe "auditorium maximum" zum Thema "Das intellektuelle Umfeld der Weißen Rose" vorgelegt. Die beiden CDs - Spieldauer 150 Minuten - vermitteln ein auch Schülern nachvollziehbares und überzeugendes Bild davon, welche Rolle insbesondere Carl Muth und Theodor Haecker und Kurt Huber für die Ausbildung der Überzeugungen der Freunde in der Weißen Rose zukommt. Aus unserem Buch wird mit Quellenangabe mehrfach zitiert. Im Frühjahr 2009 legte eine Schülerin des Neuen Gymnasiums - das ist jene Schule, die Christoph Probst 1930 und 1931 besuchte - ihre Facharbeit zum Thema "Christoph Probst" vor. Die Nürnberger Lokalpresse berichtete darüber. Selbstverständlich haben wir das Entstehen dieser Arbeit nicht unwesentlich unterstützt. Die nun auch bei uns vorliegende Arbeit von Nadine Markwirth erweitert unsere Kenntnis über seine frühen Jahre in Murnau und in Nürnberg. Sie konnte u. a. noch einen seinerzeitigen Mitschüler Christoph Probsts ausfindig machen, der davon berichtete, dieser sei wegen "Bekenntnislosigkeit", von ihm selbst bekannt gegeben bei seiner Vorstellung in der neuen Klasse, mehr oder weniger gemieden worden. Gerne erforscht sehen würden wir, wie es dazu gekommen ist, dass Emil Nolde unseren Namensgeber und seine Schwester porträtiert hat. Und wie das Bild "zu sehen" ist. Wäre das nicht etwas für eine Arbeit im Leistungskurs Kunst? Übrigens ist auch noch nicht überprüft, was es mit der Rettungsaktion für eine Münchner Bibliothek und deren Bezug zum Kloster Andechs durch Hans Scholl auf sich hat. Die Geschichte wurde vor zwei Jahren in einem Werbeblatt und einer Starnberger Lokalzeitung kurz berichtet. Sie ist in der Forschung gänzlich unbekannt und sollte nachrecherchiert werden. Im Frühjahr 2009 wird in Russland ein wissenschaftlicher Aufsatz von Professor Alexander Broznjak von der "Kommmission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen" zur Historiographie der Weißen Rose erscheinen. Wir haben auch hier ein wenig beitragen dürfen. Und nun ist unser Christoph-Probst-Buch, für das wir von dort ausdrücklich gelobt wurden, auch in Russland gelandet. Gespannt sind wir auf den neuen Film von Katrin Seybold zur Weißen Rose. Filmtitel: "Die Widerständigen - Zeugen der Weißen Rose". Eigentlich sollte man sie zum "Filmgespräch" an unsere Schule einladen ...